Christstollen - Der Echte.

Morgens um 7 im Dresdner Backhaus - ich als Adoptivbäcker: riesige Rührschüsseln mit Hefeteig, Mandeln, Sultaninen, Zitronat und der geheimen Gewürzmischung warten darauf,  weiter verarbeitet zu werden. Heraus kommen goldene, gebutterte Stollen mit einem feinen Zuckermantel. Und das alles handgemacht von den äußerst glücklichen Bäckern Tino, Sylvio & Co. (Das Thema "handgemacht" habe ich mit dem Selbsttest bewiesen - siehe Foto.)

Der Christollen aus dem Dresdner Backhaus schmeckt pornös und hat rein gar nichts mit dem Stollen aus dem Supermarkt zu tun. (Nichts gegen Stollen aus dem Supermarkt.) Es ist nicht verwunderlich, dass viele Menschen auf das Wort "Stollen" so reagieren: "Ne, also ich mag keinen Stollen. Der ist mir viel zu trocken und außerdem mag ich keine Rosinen."

1.  Stollen ist nicht trocken.
2. Das sind keine Rosinen, sondern Sultaninen. (Das habe ich morgens um 8 von Tino Gierig gelernt.) Außerdem gibt es auch Stollen ohne Sultaninen. Mandelstollen zum Beispiel.
3. Stollen ist nicht gleich Stollen.
4. Christstollen ist nicht gleich Dresdner Christstollen.

Und ja, 28,00€ für 2000g Stollen sind nicht 6,99€. Ohne hier alle zu verurteilen, die regelmäßig 6,99€ Stollen in ihrem Einkaufswagen haben - wie soll man auch wissen wie richtiger Stollen zu schmecken hat, wenn man noch nie den Ferrari unter den Stollen gegessen hat? Und wer sich jetzt fragt - wer isst schon 2kg Stollen.: Je größer der Stollen desto besser. Das habe ich ebenfalls von Tino in der Backstube gelernt. Kleine Stollenhappen sind ein modernes Märchen. Denn ohne Chemie wären diese nämlich steinhart. Fazit: Je kleiner der Stollen desto größer ist die Kruste und genau das macht den Stollen trocken und hart - ohne Chemie. Unter 750g geht also gar nichts, und für alle die es gerne ein bisschen größer mögen , gibt es den 6kg Stollen.  Ich versuche hier inständigst zu bekehren. Wenn schon Christstollen dann richtig!

Wem der Dresdner Christstollen noch nicht buttrig genug ist - schmiert sich eine Stollen-Stulle und macht noch Marmelade drauf (bitte entschuldigt, liebe Stollenprofis), denn hier handelt es sich eindeutig um ein Gastroinferno.

Einen Tag in der Backstube - für mich ein Kindheitstraum. Ich habe mich gefühlt wie ein kleiner Weihnachtself,  und das tue ich immer noch.

Frohen zweiten Advent - besonders an Eli Kreutzkamm-Aumüller & ihr Dresdner Backhaus Team.