Ciao, Milano! Hotspots, Alltagsgeschichten und die Wahrheit über italienisches Frühstück.

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Im April durfte ich vier großartige Tage in Mailand verbringen. Während in Berlin das schönste Wetter war, durften wir uns in Mailand mit strömendem Regen und 12° vergnügen. Allerdings hatten wir die Mission tausende von Kalorien zu bewältigen, also war das Mistwetter außerhalb der kulinarischen Etablissements irgendwann nebensächlich.

PAVÉ MILANO

Der Tag wird im Pavé gestartet. Um 8:15 kommen wir in dem Kaffee an und eine viertel Stunde später fängt es an hektisch zu werden. Wir sitzen in der einzigen Ecke mit Sesseln direkt am Fenster und können das italienische Kaffee-Spektakel hautnah beobachten. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen in dem hippen Lokal - überall kracht und raschelt es. Die Siebträgermaschine produziert heißen Espresso am laufenden Band. Coffee-to-go ist hier out. Man nimmt sich die Zeit den Espresso direkt an der Bar zu trinken und hier und da ein wenig zu plaudern. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern gibt dem morgendlichen Kaffee auch deutlich mehr Stellenwert. Man sollte Kaffee ohnehin einfach nicht im Gehen trinken. Es gibt unzählige verschiedener süßer Teilchen, die alle in der Bäckerei von Hand gemacht werden. Süßes Frühstück all the way - so funktioniert das in Italien. Ich beiße in mein "Integrale con Miele Millefiori Biologico" - also eine Art Vollkorn-Weizen-Croissant-Muffin mit Bio-Honig und kann mein Glück kaum fassen. Es ist definitiv das beste Stück Gebäck, dass ich jemals gegessen habe. Dazu noch die Melodie der italienischen Sprache - besser kann ein Tag nicht starten. 
Unbedingt probieren: Integrale con Miele, Treccia al caffè (Kaffeezopf), Brioche Salata Liscia (Croissant mit Schinken & Käse) - göttlich! Wichtig zu wissen, "Croissant" heißt in Italien "Brioche", also bloß nicht verwirren lassen. In dem Kaffee gibt es außerdem wunderschöne Tassen, "Panetone for two" und coole Jutebeutel!

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EATALY, EXCELSIOR & DESIGN SUPERMARKET

Nach dem morgendlichen Espresso-Wahnsinn geht es weiter mit Shopping für Foodies. Zuerst besuchen wir das Eataly - das italienische Feinkostparadies, in dem es wirklich alles gibt was das Herz begehrt. Es ist eine Masse an Delikatessen, die mich überfordert - also esse ich erstmal ein "Focaccia Barese" zur Beruhigung. Es ist eine Mischung aus Brot und Pizza, das gleichzeitig unglaublich knusprig, fluffig und saftig ist - mit eingebackenen kleinen Tomaten und richtig viel Olivenöl. Das Eataly ist zugeben etwas touristisch, eher eine Attraktion als ein Ort um tagtäglich einzukaufen, aber auf jeden Fall einen Besuch wert. 
Danach schlendern wir weiter zum Excelsior - ein Luxus Departmentstore mit allerlei Design-Artikeln und einer Feinkostabteilung. Natürlich. Mein Herz schlägt höher. Beleuchtete Regale voller cooler Getränke, fertig verpackte Salate, die besser aussehen als in den meisten Restaurants, Theken voller frischer Pasta, Parmaschinken und tonnenweise Antipasti. So stell ich mir das Leben vor. Der Excelsior-Designladen ist deutlich ausgewählter und übersichtlicher als Eataly. Als ich zwischen den Regalen schlendere und meine Blicke die Produkte scannen fällt mir eines besonders ins Auge und ich kann es nicht fassen. Es ist ein weißes Nougat mit Mandeln von Garzotto Rocco in einer runden Metalldose - seit Jahren war ich auf der Suche danach. Zur Entspannung kaufe ich noch ein paar Walderdbeeren, weil man sich ja sonst nichts gönnt und es geht weiter in den Design Supermarket des Rinaccente Kaufhauses. Der "Supermarkt" befindet sich ganz unten und ist von der U-Bahn zugänglich. Es gibt haufenweise stylisches Geschirr, limitierte Teller und Tabletts vom Toilet Paper Magazine, Pantone Tassen und alles was das Design Herz begehrt. In Mangelung eines kleinen Nudelholzes bleibe ich vor einer dunkelgrünen Marmorversion von Hay stehen und rechtfertige den Kauf mit dem Gedanken, dass ich ja irgendetwas nicht-essbares als Reisesouvenir brauche.

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LÚBAR

Weil wir vollkommen erschöpft sind von unserer anstrengenden Shoppingtour geht es weiter zum Lunch in das Restaurant Lubar. Es befindet sich in der Villa Reale - in der sich auch Gallerien für zeitgenössische Kunst befinden. Wie erwartet ist das Restaurant sehr stylisch. Es fühlt sich mondän an in dem verglasten Rondell, das mit gedeckten Farben gestaltet ist. Schwere Vorhänge schützen einen vor dem Trubel der Außenwelt. Hier treffen sich Bänker, Asiaten mit großen Kameras und It-Girls zum Lunch - es ist der ideale Platz für schöne Fotos. Die Küche ist sizilianisch Inspiriert. Als Vorspeise gibt es frittierte Anchovies mit Brokkolicreme und marinierte Garnelen mit Zitronenzesten. Ich fühle mich kurzzeitig wie am Strand als ich die Augen schließe und die Aromen Siziliens in meinem Mund explodieren. Allerdings gelange ich schnell in die Realität zurück, denn wir haben den Tisch nur für eine Stunde und fünfzehn Minuten - da muss man sich mit dem Genießen beeilen. Kurz darauf kommt meine Pasta mit Tomatensauce und salzigem Ricotta. Dazu trinke ich einen frischen Pfirsichsaft - er schmeckt als hätte jemand für mich Pfirsiche gepflückt und ausgepresst. Zum Abschluss gibt es noch einen Espresso und ein Cannolo - ein typisch sizilianisches Dessert. Ein knuspriges Teigröllchen mit einer süßen Ricottafüllung. Beim letzten Bissen denke ich darüber nach, warum es in Mailand eigentlich so unglaublich viele sizilianische Restaurants gibt. 

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PASTICCERIA MARCHESI

Beflügelt und leicht ermüdet vom Mittagessen gibt es einen kleinen Spaziergang. Es geht zum Duomo und zur die Galleria Vittorio Emanuele. Wir schlendern vorbei an Luxusboutiquen, Reisegruppen und schicken Restaurants. Es ist Zeit für die nachmittägliche Portion Luxus in Form von unglaublich teuren Petit-Fours und schwarzem Tee in der Pasticceria Marchesi. Einer der ältesten „Konditoreien“ Mailands - wobei die Filiale in der Galleria nun wirklich nicht als Konditorei bezeichnet werden kann. Es ist eher die italienische Version von „Ladurée“. Es erscheint eine Empfangsdame im Entrée und begleitet uns zu einem Tisch. Wir laufen an eleganten Vitrinen gefüllt mit stilvollen Süßspeisen vorbei - alles sieht aus wie in einem teuren Juweliergeschäft - nur hier gibt es eben Petit-Fours und keine Diamanten. Der Geräuschpegel is gedämpft - die Uhren ticken hier langsamer als in der hektischen Welt vor dem Duomo. Wir bestellen Tee und ich suche mir einige Leckereien aus der Vitrine aus. Ein Profiterol mit Zabaione, ein Himbeertörtchen und eine kandierte Kastanie (die natürlich einzeln in Goldfolie verpackt und elegant gelabelt ist). Der Tee wird von einem schick gekleideten Kellner serviert, der sich so sehr anschleicht, dass ich mich fast an meinem köstlichen Profiterol verschlucke. Natürlich liegt der Teebeutel auf einem Extrateller des teuren Porzellans. Auch die kandierte Kastanie liegt separat. Schlappe 28 Euro für 3 Mini-Petit-Fours und zwei Kännchen Tee - da mag manch einer sagen - seid ihr verrückt. Ganz ehrlch: JA. Aber für diesen magischen Ort lohnt es sich Geld auszugeben - denn ich fühle mich aufgehoben, umarmt, wie in einem Kokon. Bevor wir gehen, entschuldige ich mich kurz auf die Toilette. Ich finde mich in einem Paradis aus smaragdgrünem Marmor wieder, mit schweren goldenen Türgriffen und Spiegeln, die bis zur Decke reichen. Danach ist der Traum vorbei und es geht zurück in den Trubel.

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PAVÉ BIRRA

Nach so viel Aufregung müssen wir uns erstmal hinlegen. Meine Füße tun weh und außerdem ist mein Körper vor lauter Zucker in einem Schockzustand gefangen. Ich lege mich aufs Bett in unserem wunderschönen, kleinen Airbnb Apartment und trinke einen Kräutertee. Ich denke über den Tag nach und frage mich, ob der Trip genauso weitergehen wird. Tage voller kulinarischer Highlights und italienischer Lebensfreude. Abends gehen wir ins Pavé Birra, das zur Bäckerei gehört, in der wir zum Frühstück waren. Es fühlt sich an wie Berlin in Mailand - nur mit mehr Stil, weil die Italiener haben’s einfach drauf. Wir setzen uns an einen Tisch in der Mitte des Restaurants, direkt unter dem leuchtenden Neonschild. Es gibt Craft Beer von der italienischen Brauerei „Birrificio War“. Ich bestelle mir ein „Helleboro“ Bier, dass wie ein Berliner Weisse schmeckt. Leicht und sehr säuerlich. Ein paar Minuten später kommt mein „Amatriciano“ Hotdog mit Speck, Zwiebelchutney, geschmorten Tomaten und Peccorino Romano. Aus den Boxen dröhnt smooth Hiphop und es wird wild gestikuliert. Es fühlt sich nach zuhause an. Ich zahle und gebe dem Kellner einen Batzen Trinkgeld, einfach weil es so schön ist. Man hat mir gesagt, das macht man hier nicht - ist mir aber egal. Ich verabschiede mich mit einem lässigen "Ciao" und spaziere in die Nacht.

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BAR BASSO

Zum Abschluss des Tages gönnen wir uns noch ein paar letzte Drinks in italienischer Gesellschaft. Die Bar Basso ist mondän, mit schweren Samtvorhängen und einer "Kassiererin" am Eingang. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise. Die Kellner sind unglaublich grimmig - vermutlich weil sie nun schon seit 20 Jahren in der Bar arbeiten. Gekleidet in einer klassischen Baruniform mit einer weißen Jacke, die eher nach Apotheker aussieht, wird der Negroni Sbagliato serviert, der übrigens hier erfunden wurde. In überdimensional großen Gläsern schwimmen handgeschnittene Eiswürfel in der leuchtend roten Flüssigkeit. Die Zeit scheint stehen zu bleiben als wir uns mit "Salute!" zuprosten und laut lachen. Was für ein Tag!

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